Kultur im Marketing-Club Weser-Ems
13.12.07
 |
| Mit Lebkuchenelefanten einen Beitrag zum Kinderschutzbund leisten |
Goethe und das Geheimnis der Farben
Wo entsteht Farbe? Am Objekt, als Impuls auf der Netzhaut, im Gehirn oder im Bewusstsein? Mit dieser Frage eröffnete der gebürtige Wittmun-der Hinrich J.W. Schüler im neu gestalteten Oldenburger Kunstverein seinen Vortrag zum Thema „Goethe und das Geheimnis der Farben“ vor Gästen und Mitgliedern des Marketing-Clubs Weser-Ems.
Als Naturwissenschaftler konnte sich Goethe nicht damit zufrieden geben, dass die Maler ihre farbigen Kompositionen rein aus der Intuition heraus auf die Leinwand brachten. Er suchte – in Anlehnung an Platon, Pythagoras und Sokrates – nach einer Gesetzmäßigkeit und entwickelte eine eigene Farbtheorie. Für ihn gab es keine Erkenntnisgrenzen, alle Phänomene ließen sich seiner Meinung nach erforschen. Letztendlich stand seine Farbtheorie jedoch im Gegensatz zu den Erkenntnissen eines Sir Isaac Newton, der behauptete, dass alle Farben im weißen Licht vorhanden seien.
Goethe, der die Ergebnisse des damals schon anerkannten Forschers öffentlich kritisierte, blieb seitdem – nicht nur unter Zeitgenossen – mit seiner eigenen Farbtheorie umstritten. Doch für Schüler, selbst bildender Künstler, hat dieser Ansatz nichts an Faszination verloren.
Goethe unterschied in seinem Ordnungssystem zwischen objektiven, nicht dauerhaften und subjektiven Farben. Zu den letzteren zählte er Farben, die sich je nach Einfallwinkel des Lichts verflüchtigten, z. B. bei Perlmutt oder bei einem Regenbogen. Entgegen anderen Forschern, die Dunkelheit als die Abwesenheit von Helligkeit definierten, standen für ihn diese beiden Phänomene gleichberechtigt nebeneinander. Beides hatte in seiner Theorie eine eigene Qualität. „Farben sind die Kinder der Finsternis und des Lichts.“ Dies war der Grund für Goethe, dass etwas völlig Neues entstehen konnte: ein auf Harmonie basierende Grundgesetz von Polarität, Steigerung und Metamorphose.
Dank seines reichhaltigen Wissens und der langjährigen Auseinander-setzung mit der Materie durften die Zuhörer mit Schüler auf eine span-nende Reise ins Land der Farben gehen, sodass sie am Ende der Ver-anstaltung dem „Geheimnis der Farben“ zumindest ein kleines Stück näher gekommen sind. |