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Die andere Klima-Zukunft – Mit dem Klimawandel rechnen

Freitag 13. Februar 2009

Club Geschäftsführer Wilhelm Tanke und die Professorin Dr. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für für Wirtschaftsforschung aus Berlin

Prof. Dr. Claudia Kemfert (DIW Berlin und Humboldt-Universität) beim Marketing-Club Weser-Ems

Der Klimawandel ist ein globales Thema. Schon jetzt sind erste Auswirkungen zu spüren: vermehrt auftretende Hurrikans, das Schmelzen der Eisberge und damit verbunden das Ansteigen der Weltmeere. Während wir in diesem Zusammenhang von zahlreichen Medien überwiegend mit schlechten Nachrichten überflutet werden, propagiert die renommierte Volkswirtin Prof. Dr. Claudia Kemfert in ihrem Vortrag beim Marketing-Club Weser-Ems im Akademiehotel Rastede ein ganz anderes Motto: Innovation statt Depression!

„Wir müssen das Ressourcen-Problem schnell lösen und jetzt die Hebel umlegen, damit wir den Klimawandel in den Griff bekommen.“ Besonders wichtig dabei sind eine verbesserte Energieeffizienz und die deutliche Reduzierung schädlicher Emissionen. Tatsache ist, dass jeder Deutsche durchschnittlich pro Jahr 10,4 Tonnen CO2 Emissionen verursacht (Stand 2004). Zwar verursachen die Amerikaner doppelt so viel, doch kann das kein Trost sein. Denn um den Klimawandel zu stoppen, dürfte es pro Kopf weltweit einen Emissionswert von höchstens drei Tonnen geben.

Jede/r kann etwas tun

Momentan, so die These von Kemfert, ist der Zeitpunkt für eine Wende extrem günstig. Das hat mehrere Gründe. Zum einen müssen europaweit gerade jetzt viele alte Kraftwerke ersetzt werden. Zum anderen, so behauptet sie provokant, könnten die erneuerbaren Energien die Gewinner der Finanzkrise sein. Denn viele Anleger, die sich strategisch orientieren, wollen jetzt solide Renditen. Insofern ist der Klimaschutz der richtige – und einzige – Weg aus der Krise.

Aus Sicht der Wissenschaftlerin ist Klimaschutz nicht nur bezahlbar, sondern auch volkswirtschaftlich effizient. Erneuerbare Energien – wie Photovoltaik, Solarenergie, Offshore Wind, Biomasse und Geothermie – werden weltweit überproportional wachsen. „Sehr bald schon werden sie mehr als 25 Prozent aller Energie produzieren.“ Was dazu nötig ist, sind technologische Durchbrüche. Doch die, so mutmaßt Kemfert, seien kurzfristig zu erwarten. Ein großer Schritt in die Zukunft sind neue Energiespeicher. „Damit wäre ein Großteil des Problems bereits gelöst.“

Die Märkte der Zukunft sind grün

Die Klimamärkte der Zukunft sind schon längst Gegenwart. Die Erdatmosphäre braucht Klimaschutz und auch der Konsument will ihn. Vor diesem Hintergrund gibt es schon jetzt in den Bereichen Immobilien, Mobilität und Finanzdienstleistung „grüne Märkte“. Um diese Richtung voranzutreiben, ist weiteres Umdenken auf vielen Ebenen nötig. So muss das Wirtschaftswachstum endgültig vom Ressourcenverbrauch entkoppelt werden. „Es gibt keinen anderen Weg, denn die Zeit der billigen Energie ist vorbei.“

Kemfert sieht in diesem Umdenken durchaus große Potenziale für viele Branchen sowie für Städte und Kommunen. Viele Bereiche seien verbesserungswürdig: Gebäudedämmung, ÖPNV, alternative Kraftstoffe, Ausbau Kraft-Wärme-Kopplung, Umstellung der Kfz-Steuer auf CO2-Basis etc. „Unser Auftrag ist es, aufzuklären, zu bestärken und Informationslücken zu schließen.“ Nur dann kann das gelingen, was sie in ihrem abschließenden Plädoyer formuliert:

„Wir müssen die Innovationsmöglichkeiten zum Klimaschutz rechtzeitig nutzen! Dann sind wir am Schluss nämlich nicht nur die mit den guten Absichten, sondern auch die mit den guten Geschäften.“

 

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