McAllister: Der Nordwesten ist wieder da
Mittwoch, 17. Juni 2009
Landes- und Fraktionschef der CDU hofft auf Planfeststellung für die Küstenautobahn im kommenden Jahr
Die Politik hat die Küstenregion inzwischen als Tor zur Welt entdeckt.
JEVER/NA– Eine Marke für sich sei David McAllister, stellte Helmut Loerts-Sabin am Montagabend vor gut 150 Gästen des Marketing-Clubs Weser-Ems aus Wirtschaft und Politik im Immobilienund Finanzzentrum der Volksbank Jever fest. Dazu erzählte der Präsident des Clubs einige wahre Anekdoten über den „Schützenkönig im Schottenrock“ aus Bad Bederkesa zur Einstimmung auf dessen Vortrag zum Thema „Die maritime Wirtschaft im Nordwesten – neue Chancen der Globalisierung nutzen“.
Erwartungsgemäß ging der Landes- und Fraktionsvorsitzende der CDU Niedersachsens am Tag nach der Europa-Wahl zunächst darauf ein und betonte, wenn er verschnupft klinge, so sei das rein körperlich zu sehen. Als Deutscher könne man stolz sein, dass hier trotz Krise und EU-Kritik die Rechtsextremen keine Chance hätten. Die geringe Wahlbeteiligung schiebe er im Übrigen nicht zuletzt auf das spezielle Polit-Chinesisch der EU-Politiker, die es mit ihrem „elaborierten Code“ selbst den hiesigen Politikern
schwermachten, den Diskussionen zu folgen.
Zur Krise selbst forderte McAllister einen verantwortungsvollen Umgang mit den Steuergeldern, staatliche Beteiligungen an notleidenden Konzernen müssten die absolute Ausnahme bleiben. Um so erstaunlicher sei die Haltung breiter Kreise, wenn einerseits nur sechs Prozent der Bevölkerung den Politikern vertrauten, sie andererseits aber plötzlich riesige Erwartungshaltungen den Regierenden gegenüber zeige. Generell habe die deutsche Politik jedoch mit Augenmaß auf die Herausforderungen reagiert. Zu den wichtigsten Neuordnungen nach der Krise gehöre jetzt die der Landesbanken.
Zum Thema des Abends aber lasse sich sagen: „Der Nordwesten ist wieder da!“ Nach Jahrzehnten als Sorgenkind zeige insbesondere die maritime Wirtschaft mit ihren über 20 Einzelbranchen enorme Zukunftsperspektiven, angeführt vom Leuchtturmprojekt Jade-Weser-Port. Auch die Politik habe die Küstenregion inzwischen als Tor zur Welt entdeckt, so wurde bei der Landesregierung dafür eine Stabsstelle eingerichtet mit den Schwerpunkten Häfen und Erneuerbare Energien. Die Wachstumsprognosen lägen bei fast fünf Prozent jährlich, und allein bis Ende 2010 werde N-Ports 300 Millionen Euro in die Häfen Brake, Cuxhaven, Stade- Bützfleth, Emden und Wilhelmshaven investieren.
Neben der zwingend erforderlichen Hinterlandanbindung der Häfen per Bahn habe hierdurch auch die Küstenautobahn A 22 eine enorme Dynamik bekommen, noch verstärkt durch die Elbquerungsplanung bei Hamburg, die bis 2017 gebaut werden soll. Das erhöhe den Druck zugunsten der A 22, so dass er auf eine Planfeststellung im kommenden Jahr hoffe: „Und wenn es gut läuft, ist die Autobahn bis 2019 fertig.“ Als ausgewiesener Fan der Offshore- Windenergie sieht McAllister außerdem gute Chancen, den Anteil der Erneuerbaren Energien im Norden auf 25 Prozent zu erhöhen – mit Vorrang für die Windenergie.
Zu den Wachstumsbranchen des Nordwesten zählt er außerdem die maritime Forschungskompetenz, wo es die Ausbildungskapazitäten weiter auszubauen gelte, sowie den Fremdenverkehr an der Küste. Der werde von der Krise wahrscheinlich profitieren, wenn so mancher eher nach Wangerooge als nach Mauritius fahre. Die Landesregierung sei im Übrigen ausdrücklich für die Anerkennung des Wattenmeeres als UNESCO-Welterbe, was dann auch ein internationaler Werbeaspekt sei.
McAllisters Resümmee lautete schließlich: „Wir haben eine riesige Entwicklung an der Küste vor uns!“ Das begeisterte Publikum spendete viel Beifall für die ebenso geschliffenen wie unterhaltsamen Ausführungen und von Clubpräsident Loerts-Sabin erhielt der Referent ein symbolträchtiges Geschenk: eine Leuchtturmzeichnung von Ole West. |