Ein „Experiment mit vielen Unwägbarkeiten“
31. August 2009
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| „Männer brauchen viel Zärtlichkeit…“ – das demonstrierte die A-Cappella Truppe „Die Profisorischen“ bei ihrer Interpretation des bekannten Grönemeyer-Songs. |
Wandelkonzert im Schloss / Harfenklänge, Orgel- und Klezmermusik sowie Blechbläsertöne erfüllten historisches Gebäude
Das „Duo Spumante“ begeisterte mit Kaffeehaus- Musik und vertonte sogar ein Apfelstrudelrezept.
JEVER – „Ob Erfolg oder Misserfolg, oder mit Misserfolg zum totalen Erfolg“ – Stefan Schäfer hatte mit seinem Stück „Misserfolg für Kontrabasssolo“ im Schloss unbestreitbar einen Erfolg. Im Biedermeierzimmer verblüffte der Musiker der Hamburger Philharmoniker die Zuhörer mit seinem sprach- und fingerakrobatischen Solo (Seite 1). Dafür, dass ihm das geforderte Gleichgewicht zwischen Sprechen und Spielen gelang, bekam er von den amüsierten Zuhörern – als Zeichen des Erfolges – dann auch den verdienten Applaus.
Schon bei der Eröffnung im Audienzsaal sprach Dr. Antje Sander vom Wandelkonzert als ein „Experiment mit vielen Unwägbarkeiten“. Die Besucher müssten langmutig und geduldig sowie neugierig und flexibel sein, so die Museumschefin.
Tatsächlich konnte der musikalische Kontrast, für den Christel Ney und Andreas Heinen mit der Auswahl der Musiker gesorgt hatten, nicht viel größer sein.
Im Landschafts-Zimmer entlockte die Bremerin Eva Pressl ihrer Harfe sphärische Klänge. Im Gobelinsaal spielte Frieslands Kreiskantor Klaus Wedel auf der rund 250 Jahre alten Hausorgel italienische Orgelmusik. Jonathan de la Paz Zaens sang dort – begleitet von Marcus Prieser am Tafelklavier – im allerklarsten Bassbariton unter anderem Haydns „Rollend in schäumenden Wellen“.
Im Audienzsaal spielte Geiger Hans-Christian Jaenicke die ersten Takte des „Kaiserwalzers“, machte aber schnell deutlich, dass er von dieser Johann-Strauß-Komposition nicht viel hält. Das „Duo Spumante“ – mit Wenke Messmer am Klavier und unterstützt von Bernd von Ostrowski (Kontrabass) – präsentierte stattdessen eine Auslese Wiener Kaffeehaus- Musik und vertonte sogar einen Apfelstrudel-Rezept.
Gleich nebenan in der Ahnengalerie konnten die rund 200 Gäste beim Wandeln durch das Schloss die fröhliche und zugleich melancholische Musik der jüdischen Musikanten osteuropäischer „Schtetl“ erleben: Georg Brinkmann (Klarinette) und Franka Lampe (Akkordeon) präsentierten hier jüdische Klezmer-Musik in Vollendung.
Die großen Publikumslieblinge waren erwartungsgemäß die sieben Männer von den „Profisorischen“. Das Wildeshausener A-Cappella-
Ensemble verriet im Café unter anderem, wann ein Mann ein Mann ist und erinnerten mit „Bee Gees“-Hits an die Zeiten, in denen einige der Besucher in Satin-Hosen und Plateau-Schuhen unter glitzernden Diskokugeln tanzten. Aus dem Lustwandeln im illuminierten Schlossgarten wurde angesichts des Schmuddelwetters leider nichts. Die Regenschauer sorgten dafür, dass das Blechbläserquintett „blue brass“ nicht hinter dem Torhäuschen im Freien spielen konnte. Das Ensemble machte sich dann auf den mühseligen Weg hinauf in den Zwiebelturm, wo es angesichts der Höhe über dem Meeresspiegel sein bisher „alpinstes-Konzert“ gab. Ein Auftritt unter den Bäumen des Schlossgartens hätte jedoch nicht stimmungsvoller sein können als zwischen dem Turm-Gebälk, das außerdem für eine hervorragende Akustik sorgte.
Das zweite Wandelkonzert war – wie im vergangenen Jahr – wieder der krönende Abschluss der diesjährigen Reihe der Schlosskonzerte. Sollte es eine Neuauflage dieser Veranstaltung im kommenden Jahr geben, wird von den Gästen beim Lustwandeln durch das Schloss wohl wieder einiges an Flexibilität und Langmut abverlangt. Aber gerade die große musikalische Bandbreite macht bekanntlich das Wandelkonzert aus und führt angesichts des Gleichgewichts von Traditionellem und Experimentellem sicherlich wieder zum „totalen Erfolg“. |